Industrielle Revolution 4.0

(K.H.Schubäus) …aus der Sicht interdisziplinärer Ausbildung und vierzigjährige Erfahrung als Beratergeneralist und Systemgestalter.

Zwei Jahrzehnte wissenschaftlicher Recherchen und permanente Aktualisierung strategischer Innovationen mit der Erkenntnis: Alles „Neue“ ist schon mal da gewesen und das Meiste davon, schnell wieder verschwunden.

Für mich begann der Schritt als Beratergeneralist in eine nicht endende Kette unterschiedlicher Abenteuer mit der Umwandlung des Westentaschenwissens, der um 1960, alles regelnden und steuernden Meisterinitiativen, zur ersten Arbeitsvorbereitung und späteren Zentraldisposition.

Ab 1974 gelang mir eine der ersten ganzheitlichen Neuordnungen in der Trikotagenbranche, durch grundlegend, organisatorische Neuorientierung, und für Mittelständler mach- und bezahlbare Datentechnik.

IT wurde ab 1976 zum unverzichtbaren Werkzeug in der Hand des Systemgestalters zur ökonomischen Neuorientierung: Mit außerordentlichem Erfolg.

Es folgten ganzheitlich orientierte Neuordnungen im Möbelgroßhandel, einem Küchen- und Badmöbelhersteller, im Nord- und Ostsee Werftenkonsortium, in der Textilbranche usw.

Das synergetische Zusammenwirken optimierter Organisationsstrukturen und vollintegrierter „Datentechnik“ führte in allen Fallbeispielen zu außerordentlichen Ergebnissen.

Eine für die IT-Branche zündende Botschaft, mit der es ihr um 1995 vorübergehend gelang, die Riege der Old-Ökonomen in New-Ökonomen  umzuwandeln. Wie wir heute wissen, ohne nennenswerten Erfolg.

Versuche über Kunstgebilde wie CIM, als computerintegrierte Fabrik; SOA, als serviceorientierte Architektur und eine Vielzahl anderer Softwarekonstrukte, haben sich ebenfalls nicht durchsetzen können.
Auch die am 24. Januar 2008 veröffentlichte, weltweite Studie im Praxismagazin, in der 300 CIOs verstärkt auf „The best Practices“ setzten, hat sich nicht bewährt.

Was ist aus all den wohlklingenden Projekten geworden? Nichts als Schall und Rauch!

Wieder einmal soll dem Ideenschwund der Softwarebranche mittels „Revolution 4.0“ durch radikale Methoden (Hammer und Champi, Business Reengineering und das Prozess orientierte Unternehmen) neues Leben einhaucht werden, nach dem Muster: „Jeder muss mitmachen“.

Und all das ohne Vor- und Leitbilder, allein auf der Suggestivformel „Industrie 4.0“ beruhend.

Laut Pressemitteilung sind inzwischen 150 Experten aus unterschiedlichen Berufsgruppen damit beschäftigt, aus der vieldeutigen Suggestivformel „4.0“, für alle Beteiligten plausible Rezepturen, anwendbare Spielregeln und geeignete Ordnungsprinzipien zu entwickeln.

Und das durch „Experten“, die aufgrund ihrer Berufsbilder kaum geeignet sind, dynamisch vernetzte Beziehungsmuster auf den Grundlagen synergetisch, kybernetisch und symbiotischer Wirkzusammenhänge in ganzheitlich orientierte organisations- und aufgabenorientierte Prozessstrukturen umzuwandeln.

Allein die Verknüpfung unterschiedlicher Detailkenntnisse reicht bei weitem nicht aus, um Prozesse zu optimieren, unterschiedliche Prozesse zu Teilsystemen zusammenfassen, und unterschiedliche Teilsysteme zu einem optimal funktionierenden, dynamisch vernetzten Ganzen neu zu gestalten.

Grundvoraussetzungen, damit sich traditionell konventionelle und ausschließlich digital beherrschte Unternehmen den einengenden Zwängen struktureller Überfrachtungen (Ursachen sind die kartesianischer Irrlehren) befreien können.

Ungleich dramatischer wird die Situation IR 4.0 in einem Statement aus dem Handelsblatt vom 11. April 2015 aus:

1. Bei Big Data muss jeder mitmachen und die Dinge beherrschen, „sonst ist er schnell weg vom Fenster“.

2. Wir (Name bekannt) integrieren alle Zulieferer, die in unser System liefern müssen. Da können wir den Standard setzen.

3. Das große Geschäft werden die Daten sein (Cloud). Es ist eine Frage der Datenhoheit, wem die Daten gehören.

4. Der Dienstleister (Name bekannt) hat die Hoheit über die Daten. Und der sagt dann, wo und wann ein Zug in die Wartung muss.

5. Wir haben 2008 einen ersten Schnitt gemacht und von 5000 auf 3000 Beschäftigte in diesem Bereich reduziert.

6. Wir haben Belastungen in dreistelliger Millionenhöhe, deshalb werden wir in diesem Jahr aufgrund dieser Sondereinflüsse rote Zahlen schreiben.

7. Je kleiner die Unternehmen, je schwieriger wird es!

Aktionen, die zusätzliche Arbeitsplätze schaffen sollen und wie „namhafte“ Unternehmensberatungen selbstgefällig propagieren: insgesamt Leistungszuwächse bis zu 30% bewirken.

Die verzweifelte Suche nach Lösungsmustern
…hat viele Gesichter und scheiterte bisher weniger an guten Ideen, sondern an deren Umsetzung.

Bereits 2005 machten 63% der befragten Manager in Deutschland, den Erfolgsfaktor Restrukturierung zur „Chefsache“ und 51% hielten ein ganzheitliches Konzept für erfolgswirksam.

Manager waren der Meinung: „Das aufwendige Laborieren mit ungeeigneten Softwarestandards hört nur dann auf, wenn wir über ganzheitliche Konzepte als Lösungsmuster verfügen.“

Inzwischen geht die Suche nach Lösungen weiter. In den leidgeprüften Unternehmen wird weiterhin laboriert und gelitten. Und statt sie zu reduzieren, schwillt die künstlich erzeugte Datenflut unüberschaubar an.

Ein Unternehmer schreibt mir nach meiner ganzheitlichen Neuordnung: „…Gegenüber der unüberschaubaren Datenflut vor der Neuordnung und der Hilflosigkeit damit umzugehen, konnten wir nach der Neuordnung mit weit weniger Daten und Informationen, die Abwicklung der Prozesse nahezu selbstregelnd lösen.“

Und weil sich ganzheitliche Konzepte zwar außerordentlich effizient, jedoch nur vereinzelt durchsetzen konnten, soll im Jahr 2015 die „Industrierevolution 4.0“ im Alleingang das globale Desaster in der Ökonomie lösen.

Datenstrukturierung durch Fuzzylogik
Wir erleben zurzeit eine exorbitante Steigerung künstlich erzeugter Daten. In der Folge erfahren wir jedoch eine drastische Verminderung brauchbarer Informationen.

Was läuft da aus dem Ruder?

Während Unschärfe (Fuzziness) zur Mustererkennung führt (gehört zur ganzheitlichen Neuorientierung), gibt die noch so detaillierte Betrachtung großer Datenmengen keine brauchbaren Informationen her.
Die Beteiligten erfahren zwar viel über Einzeldaten, aber nichts über das System als Ganzes.

Mit Frederic Vester bin ich der Meinung: Wirkt das Bild eines Musters unscharf, treten Details zurück. Die Beziehungen zwischen den Teilsystemen treten jedoch stärker hervor. Somit bewirkt die Mustererkennung, dass man Systemzusammenhänge als Beziehungsmuster innerhalb des Ganzen besser versteht.

Zur Mustererkennung in neu orientierten Unternehmen gehören somit zwei Dinge: Daten- und Informationsstrukturen, die mit der Strukturen des Ganzen harmonieren.

Wenn man, wie in „Revolution 4.0″ versucht eine einzelne Variante wie „Big Data“ zu maximieren statt zu integrieren, führt das unweigerlich zur Zerstörung des funktionalen Ganzen (siehe Beispiel SKET Magdeburg mit 14. 000 Beschäftigten).

Ganzheitlich systemische Strukturen sind nur dann von Vorteil, wenn sie aus dynamischen Gemeinschaften bestehen, die durch vernetzte Beziehungen und wechselseitigen Abhängigkeiten aufrechterhalten werden.

Durch mehrjährige Versuche entstanden bei SKET in den Bereichen: Walzwerks-, Verseil-, Ölmaschinen- und Portalkranbau durch digitale Neuorientierung Aufwendungen von insgesamt 55.000.000 DM. SKET hat diese Torturen nicht überlebt.

Zunehmende Cyberattacken
Die totale Digitalisierung global vernetzter Systeme durch Industrierevolution 4.0 beinhaltet ein Kernproblem der besonderen Art: Cyberattacken.

Mit ihnen können, an beliebigen Netzknoten angesetzt, weltweit irreparable Schäden, oder über unvorhersehbare Zeiträume, Produktions- und Logistikstrukturen lahm gelegt werden.

Dabei handelt es sich nicht etwa um selbst verursachte, reparable Störfälle, sondern um gezielte Terrorakte zur Destabilisierung digital überzüchteter Konstrukte.

Betrachtet man die Entwicklung…
…zurückliegender Jahrzehnte fällt auf: Die eigentliche Zweckbestimmung zwischen Heilern und Patienten (Unternehmensberatern, Softwerkern und Ökonomen) hat sich grundlegend verändert. Aus synergetisch wirksamen Zweckbindungen (Berater und Informatiker) entstanden ab 1995, ausschließlich interessen- und gewinnorientierte Seilschaften: hier die Berater, da die Informatiker. Seit dieser Zeit nimmt der Leidensdruck in nahezu allen Unternehmen ständig zu.

Warum?

Statt synergetischem Zusammenwirken aller Beteiligten, versuchen Informatiker wieder einmal (wie um 1995) durch massiven Druck auf Andersdenkende (Berater), den Stellenwert ihrer „Technologiestandards“ zum Alleinstellungsmerkmal ökonomischer Neuorientierung einzufordern.

Auch hier entstehend erneut Konfliktpotenziale, aus denen wiederum nur Verlierer hervorgehen.
Als Systemgestalter hatte ich zwei Jahrzehnte Gelegenheit, die synergetisch hochwirksamen Komponenten: Organisation und Informationstechnologie durch eigenes „Tun“ mit außerordentlichen Erfolgen zu realisieren.

Man kann daraus ableiten, und darin unterstützen mich namhafte Wissenschaftler: die einzig richtige Lösung, dynamisch vernetzte Beziehungen neu zu gestalten, besteht aus der vorrangigen Neugestaltung einer passgenauen Organisation, unter Einbeziehung digitaler Unterstützung.

Neuorientierungen im Sinne natürlicher Bewegungsmuster.

Das optimal funktionierende System gesunder Menschen reagiert im Bruchteil von Sekunden auf extreme Gefahrensituationen, beispielsweise auf die Berührung einer heißen Herdplatte.

Nichtsysteme, wie traditionell-konventionelle Unternehmen, reagieren auf Gefahrensituationen durch Einberufung von Meetings, endlosen Debatten mit oft zweifelhaften Erkenntnissen.

In einer ausschließlich von Robotern beherrschten Arbeitswelt reagieren Roboter auf Störungen – ohne Alternativen – nur durch Abschalten. Ab dann sind wieder Menschen gefragt.

All das gefällt den Menschen. Das können sie verstehen, haben sie gelernt und erfahren. Alles was darüber hinausgeht, lehnen sie ab.
Jedoch reicht diese Einstellung schon lange nicht mehr aus, um uns den Anforderungen der Zukunft, entsprechend der Zeitzeichen anzupassen.

Eine Kollegin aus den USA empfahl mir um 1995: „Halten Sie Ihr Gedankengut über ganzheitlich orientierte Lösung fest, es geht sonst für immer verloren.“

Ich bin ihrer Empfehlung gefolgt.

Die „Lösung“ muss somit nicht neu erfunden werden. Sie liegt seit Jahren vor und passt sich nahezu selbstregelnd jedem ökonomischen Wandel an.

Insgesamt Themen, die sich an alle richten. Direkt an Unternehmer, Berater und Informatiker. Indirekt an Bildung und Ausbildung, Organisationswissenschaft und Politik.

Autor: K.H.Schubäu, 5. Mai 2015, Fulda

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